Auftanken am Ruhetag

10 January 2015

Die Zwischenbilanz aus dem Biwak vom Ruhetag.


Matthias: "Gestern nach der Zieleinfahrt, hab ich den Hut drauf gehauen. Da war’s aus, ich war leer und alles vorbei. Allerdings hat sich das sehr schnell wieder gelegt.

Durch den Zwischenfall am Freitag hab ich die Dakar von hinten kennengelernt und unglaubliche Sachen erlebt. Im hinteren Teil des Feldes fahren Motorräder, Quads, Autos und LKWs kreuz und quer durch die Gegend. Da siehst du LKWs, die hoffnungslos vergraben sind und die Mannschaft rundherum buddelt. 

Einen Motorradfahrer hab ich aufgeholfen, der lag am Boden mit gebrochenem Arm. Ich hab den Notruf gesetzt, damit er abgeholt wird. Ein anderes Mal war ich gerade am Schrauben, als ein Motorradfahrer stehen bleibt und mir ohne zu überlegen hilft. Er macht das gern, schließlich fährt er nicht um den Sieg mit, sondern um dabei zu sein. Genial!

Als ‚Dank’ dafür hab ich dann noch einem anderen geholfen sein Bike auszugraben. Am Ende musste ich knapp einen halben Kilometer zum Tankstopp schieben und da hat mich tatsächlich noch einer abgeschleppt ... diese Erlebnisse sind total stark!"

Ich war schon am ersten Tag von meinem siebten Platz überrascht, dann Sechster und der Sieg am dritten Tag war das höchste! Die Leute im Fahrerlager kommen her und klopfen dir auf die Schulter, die Anerkennung ist enorm und du bist an diesem Tag der ‚Talk of Town’.

Mit dem gestrigen Tag hab ich abgeschlossen. Am meisten ärgert mich der Tag davor. Da bin ich als Erster los und hab mich total verfahren und Zeit verloren. Navigieren in der offenen Wüste ist das große Thema – auch für die Zukunft. Das muss man ins Gefühl bekommen, deswegen will ich sobald als möglich nach der Dakar wieder nach Tunesien oder Marokko.

Heute stehen essen, schlafen und Bike herrichten auf dem Programm. Mit der Marathon-Etappe wartet morgen einen große Herausforderung auf mich. 
Mein Ziel ist nach wie vor das gleiche: die Dakar sauber zu Ende fahren und lernen!" 

Heinz Kinigadners Halbzeitbilanz zu Matthias Walkner: "Gestern (Freitag) war Matthias fertig mit dem Rallysport. Wollte alles hinschmeißen. Doch das war nach einer halben Stunde wieder vorbei. Heute ist Matthias wieder ganz der Alte und voll motiviert. Von meiner Seite aus liegt Matthias voll im Plan. Er hat in den ersten Dakar-Tagen die Erwartungen mehr als erfüllt. Auch seine Sponsoren haben mehr (für ihr Geld) bekommen, als zu erwarten war.

Jetzt hat Matthias die Dakar auch von hinten kennengelernt. Da hinten spielen sich Dramen ab, von denen man vorne nichts mitbekommt. Diese Erfahrung ist für Matthias genau so wichtig, wie seine Fähigkeiten, Etappen zu gewinnen. 
Die Top 10 sind jetzt zwar ausser Reichweite, es ändert sich aber nichts an der Aufgabe, die Matthias hat. Nämlich die Dakar 'lernen'. Und zwar alle Aspekte. 

Marc (Coma) sagt, auf Schotter sei Matthias wohl der Schnellste im Feld. 
Doch die Dakar hat viele Gesichter und wenn es in die offene Wüste geht, mit tausenden Spuren und unglaublich schwieriger Navigation: da ist Matthias wirklich ein Dakar-Neuling. Es wäre eine Überraschung, wenn er hier kein Lehrgeld hätte zahlen müssen.

Matthias hat bis jetzt schon mehr gezeigt, als von ihm erwartet wurde. Wir versuchen gerade, ihn in der Startaufstellung nach vorne zu bringen. Da gibt es aber noch keine Entscheidung. Wir müssen abwarten. Wir hoffen sehr, dass er als 16ter oder 17ter in die Marathonetappe starten kann."

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Sponsoren Matthias Walkner